Verlorener Morgen

I Strada Coriolan

Gabriela Adameşteanu | February 01, 2009

 

Verlorener Morgen

Früher, hätte sie damals so stillgesessen, ohne aus dem Haus zu gehn, da wär ihr wohl die Decke auf den Kopf gefallen. Irgendwann hielt es sie nicht mehr, und auf ging’s. Alle klapperte sie ab, an einem Tag den einen, am andern Tag den andern, bei keinem ging sie leer aus, man redete auch noch ein Wörtchen, sie erfuhr noch das eine oder andere, denn immer nur mit diesem Holzklotz von einem Mann herumhocken, das ist ja zum Auswachsen. Mit ihm hat sie sich nie was zu sagen gehabt, was redet man denn auch mit dem Mann?!

„Der Mann braucht dich nur bis zum Gürtel kennen ...“, sagt sie, und wenn die das hört, ihre Schwägerin, dann wird die gleich böse:

„Halt doch den Mund, Vica, verdammt, der Junge hört dich ... Bist eine alte Frau und hast immer noch Schweinkram im Maul ...“

„Ach herrjeh ... Und was ist, wenn er’s hört? ... Soll er doch! Wirst ihn nicht mehr lang unter deinen Röcken halten! ... Keine Sorge, bin auch in allerhand großen Häusern gewesen, ich weiß, wie auch die feinen Damen reden ... Wo immer ich herumgekommen bin, man hat mich verstanden, man tat mich mögen und schätzen, auch bei der Madam Ioaniu, was haben wir doch gelacht mit ihr und der Ivona ...“

Die ist auch so ne Trantüte, die Schwägerin, mit der Kneifzange muß man ihr die Wörter aus dem Maul ziehen ... Ihr Bruder, der Ärmste, hat an ihr gehangen, solange er gelebt hat, wie der Mann halt so ist, er hängt am Weib. Nur diesen ihren Mann hat sie nicht umkrempeln können; als sie jung war, da nahm sie alles ernst, was er ihr sagte, was hat sie da geweint und sich gegrämt, mager ist sie geworden, daß der Wind sie hätt mitnehmen können ... Bis ihre Patin mal gekommen ist, Gott hab sie selig.

„Was ist denn los mit dir, Vica, daß du so mager geworden bis?

„Nun, die Dinge stehen so ...“

„Hör doch auf, Mädel, mach dir nichts draus ...“

So war er, ihr Mann, hatte ein böses Maul, sie ist da anders gestrickt, sie ähnelt der Mutti, fröhlich wie die, hätt sie nur auch so einen Mann abgekriegt, der gern lacht ... Die gibt’s auch, aber die haben andere Macken, glaub ja nicht, daß einer mehr taugt als ein andrer ...

Jetzt fällt es ihr immer schwerer, aus dem Haus zu gehen, aber ein, zwei Mal im Monat nimmt sie doch den Lederbeutel (den von der Madam Daniel), stopft hinein, was sie in die Finger kriegt, zieht sich die Fellwämser über, setzt ihre Zähne ein, bindet sich zwei Kopftücher um, zurrt die steife Haube, die sie sich vor neun Jahren aus Mantelresten geschneidert hat, mit einem Schal fest und macht sich davon. So sagt ihr Mann, sie macht sich davon:

„Was machst du, machst du dich wieder davon?“ krächzt er von seinem Bett aus, wo er unter der mit Wolldecken überhäuften Steppdecke liegt, eine alte zerrissene Strickjacke von ihr um den Kopf gewickelt – denn den ausgebleichten Fes, den er gewöhnlich trägt, hat er verbuddelt.

Wenn er redet, schnauft er zwischen den Wörtern, er ist groß und dick, über hundert Kilo. Die Haut unterm Kinn hängt schlaff herab, aber seine Wangen sind fleischig, fast rosig, und daraus sprießt stachlig und weiß der Bart, den er nur alle paar Tage rasiert.

„Eine gottverfluchte Gewohnheit, deine Umzüge – seit es dich gibt, tropft dein Rotz auf die Türschwellen anderer ...“

„Herrjeh, na und ...“, antwortet sie.

Sie schaut nicht einmal zu ihm hin. Fertig zum Gehen, vermummt bis obenhin, schlurft sie auf und ab, schiebt die Habseligkeiten hin und her und nimmt noch das eine und andere: ein Gläschen eingelegte Paprika, ein paar Zwiebeln, denn davon hat sie für diesen Winter genug, ein paar Knoblauchknollen, ein Restchen Schnaps, den sie in ein kleines Hustensirupfläschchen abfüllt. Alles stopft sie in den Beutel zu den leeren Plastiktüten. Sie geht nicht gern mit leeren Händen, und in einem Haus kann man alles gebrauchen.

„Herrjeh, na und ...“, antwortet sie.

Und hört gar nicht auf das, was er ihr noch sagt. Der kann weitermeckern, solang er mag, bis ihm der Mund bis zu den Ohren steht, er sagt’s, er hört’s, dem Mann seins, das klingt barsch und taugt nur für den Arsch, das hat sie auch zur Madam Ioaniu gesagt  ... Wie die dann lachte, die Alte ...

Sie hat das im Griff, wenn sie merkt, daß er wieder rumzumosern beginnt, geht sie ins Vorzimmer, daß dich doch der Teufel, dich und deinen Vater, daß euch doch der Teufel holen soll, murmelt sie dabei ...

Sie brabbelt vor sich hin, geht aus dem Vorzimmer in den Laden und hört nicht auf zu brummen, er kriegt nichts mit von dem, was sie über ihn sagt, seit einer Zeit ist er auch taub auf dem einen Ohr, er hört nur, was ihm paßt, und sie redet so lange, bis sie sich Luft verschafft hat. Im Laden ist es dunkel. Ungeheizt, nur was an Wärme aus dem Vorzimmer kommt, seinerzeit heizte sie noch mit dem Gasbrenner, jetzt braucht’s das nicht mehr, seit fünfezwanzig Jahr, mehr noch – wann hat sie den Laden eigentlich zugemacht? Jetzt stapelt sich dort an zwei Wänden das Holz, in einer Ecke liegen die Kohlen – wozu noch Feuer machen, wenn man sich dort nicht einmal rühren kann? Die alte Kredenz mit den Türen, die schief in den Scharnieren hängen, die großen Gläser mit eingelegten Paprika, die Kartoffelsäcke, die Kochtöpfe, der Eimer mit Spülicht ... Sie wuselt hin und her, sieht nach diesem und jenem, bis es dem andern drüben zu dumm wird und er den Mund hält. Dann erst geht sie ins Zimmer, bückt sich ächzend und füllt den Ofen mit Kohlen bis oben hin, das untere Türchen läßt sie offen, denn der da – auf den ist ja kein Verlaß, der würde, wenn sie abends wiederkommt, glatt im kalten Haus sitzen.

„Ja soll ich denn hier vor mich hin brüten, wie du das machst, dir noch zusehn dabei... Als hätt ich nicht genug nach den vierzig Jahr ...“

Sie hat ihm so spät geantwortet, daß er nur noch große Glotzaugen macht und schweigt. Schweigt und staunt, was sie denn ankommt aus heiterem Himmel. Ich krieg dich schon klein – das sagt sie ihm nicht laut –, was warst du doch für ein Teufel ... Drum war das auch keine Liebe, obwohl, als sie ihn zum ersten Mal sah, da gefiel er ihr nicht schlecht, könnte sie nicht sagen.

Sie stand an der Theke in Iancus Laden, und da ist eine Kundin gekommen und hat sie zusammengebracht. Neunzehn Jahr war sie damals, die Vica, lustig war sie, und alle liebten sie. Und er war ein schöner stattlicher Mann, hatte eine grade Nase und schmale Lippen und einen Scheitel wie geleckt – wie auf dieser Photographie an der Wand. Die ist just von damals, die Photographie, als sie sich gekriegt haben, er war beim Zamfirescu in der Fabrik angestellt ...

Was der doch für eine Konditorei hatte, der Zamfirescu, etwa dort, wo jetzt die Statue vom Kogălniceanu steht, und was der Mann ihr doch alles brachte aus der Fabrik! Schokolade und allerhand Bonbons und Zuckerwerk ... Der Zamfirescu, der schenkte allen, die bei ihm arbeiteten, was zu Weihnachten und was zu Ostern, und das waren vielleicht Schokoladeneier und Riesentaler, soo groß, ehee, wenn sie die jetzt hätte! Und damals war sie so weit, daß sie sie nicht mehr sehen konnte, so satt hatte sie die! ... So ist halt der Mensch ... Und was war der Zamfirescu doch für ein Herr, der hatte es bis in den Hofstaat der Königin geschafft und sich mit den Brătianus angelegt... Drei Jahre war ihr Mann beim Zamfirescu, in der Schule hatte er’s nicht weit gebracht, aber eine schöne Schrift hat er, auch jetzt noch kriegt der eine Unterschrift hin, mit einer Schleife drunter, daß du nur so staunst ...

Mit dem Geld vom Zamfirescu und der Mitgift vom Papa hat sie dann einen Laden aufgemacht ... Als er ihr die Mitgift ausgezahlt hat, der Papa, da hat der sich doch tatsächlich verzählt; er, der nie einen Heller freiwillig hergegeben hätte, blätterte fuffzehntausend drüber auf den Tisch! Und dieser Trottel von einem Mann, der alte Halunke da, der kommt verschreckt daher:

„Was tun“, sagt er, „dein Vater hat sich verzählt ... Was tun?“ sagt der Trottel. „Zurückgeben, da sind sie, gib sie ihm zurück.“

„Gib her“, hat sie gesagt, „und daß du bloß kein Sterbenswörtchen sagst, weil das ist mein Geld! Das ist alles, was ich von ihm krieg ...“

Und so ist es auch gewesen, denn der Papa hat alles seinen Kindern aus zweiter Ehe hinterlassen, hol sie der und jener .. Aber die Mitgift und die Ersparnisse aus der Zeit, als ihr Mann beim Zamfirescu war, die hat sie dann zusammengetan und einen Laden im Coriolan aufgemacht. Hättst ihn sehn sollen, den alten Halunken, wie er den Herrn markierte als Geschäftsinhaber ... Hättst ihn sehn sollen, wie er ankam mit der vollbeladenen Kutsche, nur erster Klasse, und wie er in den Kissen lümmelte. Einmal hat er ihr ein Goldarmband gebracht und ein  andermal ein Saphirmedaillon, dann hat er’s sein lassen:

„Wozu soll ich dir noch was bringen“, hat er gesagt, „wenn du’s doch nicht trägst ...“

Wo hätt sie’s den tragen sollen, wo sie doch immer am Ladentisch stand? Keine Ahnung hatte er! Er ging ins Kino, er ging zum Fußball, da gab’s kein Spiel von Juventus, das er versäumt hätte! Man konnte meinen, er wär Chef  des Venus ... Jetzt kommt er nur noch bei schönem Wetter raus, dann geht er zu Fuß bis zum Cişmigiu, steif, den Bauch vorgereckt, einen Kaufmannsbauch, wie ihn der Alte, der Vater, dieser schmächtige Oltenier, nie gehabt hat. Das war auch sein Kummer: Was bin ich denn bloß für ein Kaufmann, wenn ich keinen Bauch hab? jammerte er ihr immer vor, als er alt wurde. Ihr Mann aber, der war ein Leben lang so, hochgewachsen und beleibt. Steif geht er, mit schwerem Tritt, den Bauch voran, und schielt gierig nach der Pastetenbäckerei an der Ecke mit den Brauseflaschen. Sie steckt ihm schon mal einen Fünfenzwanziger zu, aber sie ist unbesorgt, sie weiß, er wird ihn nicht anrühren, er hat bloß gern ein Geld dabei, so ist halt der Mann.

„Machst dich davon und läßt mich allein ...“, quengelt er.

Guckt dabei fern, aufrecht im Bett, Kissen im Rücken. Es ist der Film von gestern abend, Wiederholung, er schaut ihn sich noch einmal an. Und gleich darauf, mit veränderter Stimme:

„Vica, bring mir ein Glas Wasser ...“

„Daß dich der Teufel, könnt’st dich doch rühren, hat dir deine Mutter dort auf dem Land denn alles in den Mund geschoben?“

Aber sie stellt den Beutel ab, geht zurück ins Vorzimmer, bringt das volle Glas und drückt es ihm in die Hand. So, wie sie sich vor einer Stunde zum Gehen eingemummelt hat, steht sie an seinem Bett und wartet, bis er trinkt, damit sie das Glas wieder auf den Tisch stellen kann.

„Was hast du gesagt?“ fragt er und lehnt sich gähnend im Bett zurück. „Was hast du da gerade gesagt? Du brabbelst in einem fort ...“

„Schluß jetzt! ... Schnauze!“ schreit sie.

Greift sich den Sack und knallt die Tür von außen, daß die Scheiben klirren.

 

 

2

 

Langsam tapst sie über die holprigen Pflastersteine des Innenhofs, die jetzt am Morgen noch von Glatteis überkrustet sind. Stechender Schmerz fährt ihr in die geschwollenen Beine, obwohl sie sie noch gestern abend mit Gas eingerieben und heute dicke wollene Strümpfe angezogen hat. Sieht aus, als wollte das Wetter umschlagen. Sie verschnauft einen Augenblick, die kalte Luft hat sie schwindlig gemacht, die gichtverkrümmte Hand in dem zerschlissenen Strickhandschuh, die sie aus der Manteltasche zieht, sucht Halt am verwitterten Schaufensterladen. In den zwanzig Jahren, seit sie den Laden aufgegeben hat, haben Staub und Rost ihm so zugesetzt, daß er sich kaum mehr von der Mauer abhebt. WEINE VON DEN HÄNGEN DER MORGENRÖTE stand groß unten rechts über dem Ansatz der Treppe, die sie abgetragen hat, als sie den Laden zugemacht hat. Zugemauert hat sie das Schaufenster, die Stufe abgetragen – was taugte die noch, wenn niemand mehr durch die Vordertür kam? Angebot an spirituosen Getränken – was sie aber an Geselchtem zu bieten hatte! Und dann diese Käselaibe! Die Kundschaft kam von der Coriolan und von der Sabinelor ... Die kamen, die Leute, die kauften, man wechselte noch ein Wort, trank hin und wieder ein Gläschen, sie spendierte noch die eine oder andere Kostprobe. Käse aller Sorten, Sardellen, Kolonialwaren, was sie doch für Delikatessen heranschaffte! Und Weine, nur von den Hängen der Morgenröte ...

„Meiner Seel, Madam Delcă“, sagte dann wohl der eine oder andere, „hier bei Euch, das ist ja noch feiner als beim Dragomir Niculescu!“

Hier an der feuchten blechbeschlagenen Theke hat sie ihre jungen Jahre verbracht! Ist hin und her gerannt im Geklirr der Gläser und der Stamper, die Rufe von den Tischen ständig im Ohr.

„Gevatterin Vica! Hörst du denn nicht? Gevatterin Vicaaa!“

Ihr Mann lümmelte wie jetzt auf dem Bett im hintersten Zimmer. Raus kam er nur, um irgendeinen Säufer vor die Tür zu setzen oder mit scheelem Blick darauf zu achten, daß keiner sie begrapschte. Wenn man’s am wenigsten erwartete, stand er plötzlich hinter einem! Niemand hörte es, wenn diesre Trumm von einem Menschen sich anschlich. Er kam herein und sah sich überall um, so hat er’s ein Leben lang gehalten, keinen Finger rühren, nur nach dem Rechten sehn. Aber da war ja auch keiner, der ihn hätte hören können, die waren alle immerzu gut drauf! Und wenn sie ihn sahen, war sofort Ruhe. Alle hatten sie Angst vor ihm.

„Komm doch, Herr Delcă, trink ein Gläschen mit uns“, rief dann wohl ein neuer Kunde, der seine Art noch nicht kannte.

Er dagegen mit seiner dünnen Stimme:

„Nein danke, pflege ich nicht zu tun ...“

Er drehte sich noch eine Weile herum, tat griesgrämig, wie um den andern die Lust zu verderben, daß ihnen das Getränk im Hals steckenblieb, und ging dann wieder hinüber. Er kleidete sich um, putzte sich heraus und zog los: zum Fußball, ins Kino, durch die Stadt. Sie blieb allein mit den Lieferanten, mit dem Einlagern und dem ganzen Kram. Sie war eine Frau in vollem Saft, nicht wie die von heute: schmächtig wie Bretter, kein Arsch, kein Garnix, da hat der Mann nix in der Hand ... Sie war eine Frau in vollem Saft, gut gebaut und richtig Holz vor der Hütte, die Dielen krachten nur so, wenn sie auftrat, das krause Haar an den Schläfen gerafft, festes Fleisch, volles weißhäutiges Gesicht ... Hätte sie’s nur gewollt, sie hätte alles kriegen können, das war aber nicht ihre Art, sie war nicht eine von denen ... Da war einer, ein hochgewachsener Mann  mit dünnem schwarzem Schnurrbart und stechendem Blick, ihr ist, als stände er vor ihr, der arbeitete auf der Polizeipräfektur, und der kaufte nur schwarzen Kaviar, Hausen, teure Wurstwaren und Weine. Er lud die Kutsche voll, und ab ging’s zu ihren Gelagen. Wie der hinter ihr her war: Gnä’ Frau Vica rauf, gnä’ Frau Vica runter ... Ringe trug er an allen Fingern, und an dem kleinen einen mit Stein, ein richtig dickes Ding ...

„Gefällt er Euch?“ hat er mal gesagt. „Wenn er Euch gefällt, wie Ihr ihn da seht – er gehört Euch.“

„Behalten Sie ihn nur“, hat sie ihm geantwortet. „Ich brauch sowas nicht, ich hab meinen Mann ...“

Ein schöner Mann, aber des Teufels muß der gewesen sein, man sah es an seinem unsteten Blick ... Als die Kommunisten kamen, war der mit einem Mal weg; Frau und Kinder blieben zurück, niemand hat mehr was von ihm gehört! Am End haben die ihn gekriegt, die ihn bei lebendigem Leibe fressen wollten, denn sauber konnte das mit den Ringen nicht abgegangen sein ... Und er war ja nicht der einzige! Da gab’s andere, noch und noch! Aber sie hatte nichts übrig für Dummheiten, das war nicht ihre Art, und schuften mußte sie auch. Wie hat doch die Madam Ioaniu gesagt, und das war eine gescheite Frau, die Madam Ioaniu, die hat zwei Männer durchgebracht.

„Vica, hör, was ich dir sage“, hat sie gesagt, „eine, die schuften muß, ist keine gute Ehefrau ...“

Sie geht gebeugt, als hätte sie einen Buckel, die Nähte des verwaschenen blauen Mantels spannen über all den Klamotten, die sie druntergezogen hatte, den Beutel hält sie fest in der Hand. Sie geht mit gesenktem Kopf, sieht nicht rechts noch links, fuffzehn Jahr mögen’s sein, seit sie nicht mehr im Zentrum gewesen ist, wozu auch. Hier hat man, was man braucht: die Sparkasse und den Frisör an der Ecke, die Apotheke und das Schuhgeschäft, ein Telefon beim Gemüseladen, zu dem sie mit den abgezählten Münzen in der Hand geht, wenn die Nachbarin Reli nicht zu Hause ist, die Grillbude, wo sie sich immer Würstchen kauft, wenn sie nach Hause kommt. Sie legt den Pappteller auf einen der leeren Markttische, stellt die Einkaufstasche daneben, stupst das Würstchen in den Senf und beißt zu. Jedesmal überlegt sie hin und her, ob sie nicht eines aufheben und ihrem Mann bringen sollte, laß mal, sagt sie dann und fährt sich mit dem Taschentuch über den Mund, laß mal, sagt sie, der ist schon fett genug, und der holt sich, selber Käspalatschinken, wenn er in den Cişmigiu geht ...

Gebeugt geht sie an dem Gärtchen vorbei, wo im Sommer die Rentner Schach spielen, ein paar Krähen krächzen auf dem grünlichen Standbild der nackichten Frau, ihr Bruder Ilie, Gott hab ihn selig, der wußte, wie die heißt, sooft sie hier vorbeikamen, nannte er ihren Namen ... Wie hieß die noch, verdammt? Nife ... oder Nümpfe oder so. Auch mit verbundenen Augen würde sie den Weg von zu Hause zur Straßenbahn finden, so hat sie das alles im Kopf, jedes Haus und jedes Schlagloch kennt sie, und selbst wenn dort übern Zaun andere Leute zugezogen sind, die alten hier, die kennen sie alle.

„Küß die Hand, Madam Delcă, wie geht’s, küß die Hand, Madam Delcă“, rufen die, wenn sie sie sehen.

Alle lieben sie und schätzen sie. Wen sie auch trifft, sie redet mit jedem, und ein jedes hat sein Leid: mit der Leber, mit der Galle oder mit dem Blutdruck. Hätte sie das alles, was die seinerzeit haben anschreiben lassen, sie wäre eine reiche Frau, aber jetzt kommt keiner und sagt:

„Da, Gevatterin Vica, ein Fünfenzwanziger, wohl bekomm’s ...“

So ist das auf dieser Welt, hast du, gibst du, dann bist du gut, hast du nicht, bist du nicht mal soviel wert wie eine gefrorene Zwiebel, sie weiß das, was sie alles erlebt und gesehen hat, da können andere sich noch was abschneiden. Die Schule des Lebens, Abendkurs, hat sie der Madam Ioaniu gesagt, und wie die dann lachte, die Alte ... Die Schule des Lebens, denn was ist ihr sonst übriggeblieben als Arbeit und wieder Arbeit? Nix als Arbeit und wieder Arbeit ...

Mühsam erklettert sie die Stufen der Straßenbahn. Sie nimmt die abgezählten Münzen aus der Manteltasche und bahnt sich zwischen den dichtgedrängten Leibern den Weg zu den vorderen Sitzen.

Arbeit, nichts als Arbeit, das war ihr Leben, seit sie elf war und Mutti starb und sie allein blieb auf der Welt mit der ganzen Meute von Geschwistern. Denn der Vati war im Krieg, und nach einem Jahr, im Sommer, kriegte die Mutti Fieber, Typhus oder wer weiß, und dann ist sie gestorben, die arme Mutti. Und auch der Sile ist gestorben, der Kleinste, den niemand mehr säugte, und auch die Zwillinge sind gestorben, aber sie und der Ilie und der Niculaie, die haben weitergelebt, weil sie waren schon größer und anders bei Kräften. Allein haben sie gewohnt in dem alten Haus im Pantilimon neben der Kirche Capra, wo die Mutti begraben ist, allein, sie mit der ganzen Meute Geschwister; wer zu leben hatte, der lebte, wer zu sterben hatte, starb, wie es halt jedem gegeben war ... Hin und wieder sah die Großmutter nach ihnen, die Griechin, die auf Dame machte. Sie sieht sie immer noch vor sich in dem silbergrauen hochgeschlossenen Ottomanenkleid mit den kleinen Knöpfen und den Spitzenmanschetten. Und einem Pelz über der Schulter. Als stände sie vor ihr: hochgewachsen, ausladend und mit schweren Brüsten wie alle Weiber ihrer Sippe. Darum schnürte sie das Korsett auch besonders eng, ein Walfischkorsett hatte die wie sonstwas. Nur ob sie einen Buckel hatte, ihre Großmama, daran erinnert sie sich nicht. Eine Dame war sie jedenfalls, ihre Großmama, die Griechin, sie führte einen Zeitungskiosk an ihrem Haus, einem langgezogenen Bau mit Glasveranda in der Gegend der Heiligen Apostel. Eine Dame, schon, aber sie, die Enkelkinder, konnten sie nicht leiden, warum hatte sie auch seinerzeit ihre Mutter weggegeben?  Sie hätte die Mutti nicht weggeben sollen, sie hätte sie aufziehen sollen mit ihrem Sohn und dem anderen Mädel, he, da hätt die arme Mutti aber ein anderes Leben gehabt! Sie wär auch ins Mädchenpensionat gekommen und zum Fräulein erzogen worden, und dann hätt sie auch keinen Oltenier geheiratet, nicht an der Theke stehen oder durch den Morast von Pantilimon waten müssen, mit sieben Kindern am Rockzipfel! Die arme Mutti! Wenn ihre Mutter, die Griechin, sie nicht weggegeben hätte, sie hätt ein anderes Leben gehabt, und vielleicht wär sie auch nicht gestorben mit dreiendreißig Jahr, eine stattliche Frau in vollem Saft! So redeten die Nachbarinnen, wenn ihre Großmama nach Pantilimon kam, um nach ihren Enkelkindern zu sehn. Die konnten sie nicht leiden, die Nachbarinnen nicht und auch nicht die Enkelkinder, und wenn sie die Kinder hieß, sie sollten sie Granmaman nennen, dann sagten die kleinen Teufel: Mamagram ... Gott hab sie selig, auch die Mamagram, oje, lang ist’s her, seit sie den Weg alles Irdischen gegangen ist! Ihr Bild bewahrt sie immer noch in der Schublade auf, eine Photographie vom Ateljeh Friedrich Binder, wo sie in ihrer ganzen Größe dasteht, die Mamagram, den Pelz um die Schultern, in hohen Schnürschuhen mit Absatz. Die knarrten vor Eleganz, diese Schuhe, sie rieb sie mit Rhizinusöl ein und schnürte sie mit der Häkelnadel. Ihr ganzes Leben lang hat sie sich gepflegt, die Mamagram, darum hat sie auch eine Tochter weggegeben, damit sie nicht zu viele davon um die Ohren hatte! Darum kümmerte sie sich auch kaum um die Enkelkinder, und die Ärmsten mußten, wenn sie was brauchten, zu ihrem Onkel rennen, zum Krautwäscher, dessen Haus gegenüber der Kirche stand, in großes Haus mit einem hohen Zaun und Weinkeller und bissigen Hunden. Der war auch so ein Geizhals und Korinthenkacker, darum nannten ihn die Leute auch Krautwäscher.

„Weib, so zieh doch endlich deinen Korb weg, seit du zugestiegen bist, stehst du mit ihm im Weg und alle müssen drübersteigen“, raunzte unmittelbar an ihrem Ohr ein kleiner, breitschultriger Mann.

Der Korb ist aus Schilf geflochten, und darin gackern zwei Hühner mit zerknautschtem Kamm. Zwei Stationen zuvor ist eine Bäuerin mit ihnen eingestiegen.

„Ja wo soll ich ihn denn hintun?“ fragt die Bäuerin.

Sie packt das unförmige Flechtwerk und zerrt es zwischen den Umstehenden hindurch, die Hühner flattern und zucken mit den zusammengebundenen Beinen.

„So ist das in der Zweiten, die steigen auf, mit Körben und Kohlköpfen und was auch immer ... Da gibt’s sogar welche mit Hunden“, wendet sich der Mann an einen hageren Alten mit Schildmütze, der gerade vor ihr steht.

Der Alte sagt nichts, er nickt nur, und die geschwollenen Halsadern treten unter der weichen Haut hervor.

„Stell das her zu mir“, sagt sie.

Sie verstaut den Korb zwischen den Beinen ihres Sitzes.

„Die Leute fahren mit dem, was sie haben, können ja nicht zu Fuß laufen, bloß weil es andern nicht paßt ... Sie steigen auf, warum auch nicht, wo sie doch die Fahrkarte bezahlt haben“, gibt sie dem Mann mit lauter Stimme zurück.

Einfach so! Daß alle es hören, auch die, welche die Nase rümpfen, weil sie meinen, in die Erste zu gehören, weil es ihnen in der Zweiten stinkt. Seit sie den Laden zugemacht hat, ist sie immer so gefahren und ist nicht gestorben dabei. Sie zahlt fünfenzwanzig Bani und fährt in der Zweiten, Menschen sind’s ja hier wie dort, und wenn sie nicht hausgehalten hätt mit dem, was ihr Mann ihr brachte, wär sie keine Woche über die Runden gekommen.

Sie nimmt ihren Beutel an sich und steigt vorsichtig die Treppe hinunter.

Die Luft riecht feucht, der Winter geht zu Ende, auch wenn die Leute mit Einkaufsnetzen in der Hand Rodelschlitten über den schwarzverkrusteten Schnee ziehen, von denen die Kinder herunterzufallen drohen. Zwischen den Kränen unverputzte Plattenbauten, Berge von Schutt, abgedeckt mit Teerpappe, die Holzbaracken abgeschlossen. Sie schnauft und geht langsamer als gewöhnlich aus Angst, über irgendeines der Eisen zu stolpern, die diese verfluchten Kerle im Herbst haben herumliegen lassen. Wenn sie nur endlich da wäre, seit einer Zeit reicht ihre Puste nicht einmal für dieses Stückchen Weg. Es ist schlimm, wenn man alt ist, und jetzt kommt auch noch der Hunger, obwohl sie vor dem Weggehen eine große Kanne Tee getrunken und das darin geweichte Brot gegessen hat. Was auch kommen mag, nie würde sie etwas mit leerem Magen in Angriff nehmen, sonst wird sie schwindlig und ist dann kein Mensch mehr, zu nichts zu gebrauchen. Ihre Schwägerin, da könnt sie jetzt schon drauf wetten, die hat auch zu dieser Stunde noch nichts gekocht ... Die ist ihr Lebtag so umständlich gewesen, bis die etwas macht, kriegt man Zustände, aber jammern tut sie immer und über alles: bevor sie hergezogen sind, war’s ihr zu eng, man könne sich gar nicht bewegen, jetzt ist ihr die Entfernung zu groß, man sei ständig unterwegs ... Die hätt mal so wohnen sollen wie sie in dieser Bruchbude mit Kohlen und der Rennerei um die Gasflasche, was die dann geagt hätte ...Wenn sie zu ihnen kommt, dann ist’s wie im Paradies, hat sie ihnen gesagt vor drei Jahren, als sie umgezogen sind, aber ihre Schwägerin meckert in einem fort: daß die Fenster schlecht schließen, daß die Tür hängt, daß es ist weit ist.

„Halt den Mund“, hat sie sie angeschrien, „halt bloß den Mund und beschwör nicht Gottes Zorn, denn hier bei euch, das ist der Himmel auf Erden, ganz klar ...“

Und als hätte sie es beschrien, hatte kaum ein Jahr drauf der arme Ilie einen Unfall und starb ... Jetzt erst wurde es hart für ihre Schwägerin, und auch sie mußte sehen, wie das ist, wenn man anpacken und allein zurechtkommen muß! Der arme Ilie hatte sein Leben lang nichts ohne ihren Willen getan, sogar das Geld im Haus hielt sie in der Hand, daß ihr Bruder ihr nur hin und wieder verstohlen einen Fünfenzwanziger zustecken konnte, wenn sie ging:

„Da, Vica, etwas für die Straßenbahn, wenn du uns nochmal besuchst“, sagte er ihr an der Tür.

Mit ihrem Sohn, dem Gelu, kann die Schwägerin nicht besonders gut ... Der ist des Teufels, der kommt nach ihr, nach ihrer Sippe, aus heiterem Himmel fährt der sie an. Und sie scharwenzelt den lieben langen Tag um ihn herum: Gelu, mein Junge, hin und her und rauf und runter ... Der Gelu kümmert sich um nix, nur um seinen Papierkram, läßt sich bedienen von vorn und von hinten ... Hätte sie Kinder gehabt, die hätten was erleben können, ist schon besser, daß sie keine hatte, wer weiß, wie das geworden wäre, die Kinder von heut, die haben keine Furcht und keinen Anstand.

 

 

 

II Berceni

 

1

 

„Das ist der Himmel auf Erden hier bei euch“, sagt sie und läßt sich auf den Küchenstuhl sinken.

Die Wärme hat ihr Gesicht gerötet und ihre Glieder so erschlaffen lassen, daß sie sich kaum noch rühren mag. Sie betrachtet die Teetassen, die sich ungewaschen im Spülbecken stapeln, das krümelübersäte wachsleinene Tischtuch und das Stück Käse mit rissiger Rinde auf dem Teller.

„Wo ist denn deine Mutter?“

„Auf der Arbeit – diese Woche arbeitet sie vormittags, weißt du das nicht?“ antwortet Gelu lässig.

Er lehnt in der Tür. Er ist groß und hager, die Gesichtszüge sind noch nicht ausgeprägt, sie scheinen aufgewühlt vom inneren Brodeln, das er zu verbergen sucht. Er starrt sie unverwandt an, und ein Grinsen zieht seine dicken Lippen in die Breite. Die Schlabberhose ohne Gürtel hängt an seinem schmalen Körper, darüber ein verwaschenes grünes Hemd.

„Hätte ich’s gewußt, ich hätt mir den Weg bis her gespart ...“

Doch sie steht auf, nimmt die Haube ab, bückt sich zum Beutel hinunter und stellt das Gläschen mit den eingelegten Paprika, das Fläschchen, den Knoblauch und die Zwiebel auf den Tisch. Es fuchst sie, daß sie bis her gekommen ist und die andere nicht angetroffen hat, auf die kann man sich ja nicht verlassen, da würde ja nie einer kommen, aber das geht ja nun auch wieder nicht, immer nur sie, seit so vielen Jahren, immer nur Klinken putzen! Irgendwo hat ihr Mann ja auch recht ... Ehe, hätte die Mutti gelebt, dann wär auch ihr Leben ein anderes gewesen! Sie hatte vier Klassen beendet und sollte aufs Gymnasium, sie hatte ihr auch eine Uniform machen lassen, mit Barett, sie hat es jetzt noch vor Augen, das war im Juli, und im August kam die Mobilmachung ... Der Vati mußte an die Front, dann lag die Mutti im Sterben, die stattliche Frau siechte dahin und phantasierte mit aufgerissenen Lippen, so setzte ihr das Fieber zu, der Ärmsten ... Und sie, was wußte sie schon mit ihren elf Jahren? Sie strolchte herum, kam kaum noch nach Hause ...

Das hat sie später der Teufel entgelten lassen, denn sie mußte für die Geschwister sorgen, mußte Schlange stehen um Brot, so ein schwarzes, schlecht gebackenes, mit Kleie versetztes Brot war das, und wer sollte schon Schlange stehen? Vica – sie war die älteste. Sie war elf. Sie stand mit der Lebensmittelkarte in der Hand, stand, bis sie schwarz wurde, jetzt noch weiß sie, wie die Karten aussahen: Wahlweise 880 Gr. Brot. Wahlweise 440 Gr. Brot. Wahlweise 300 Gr. Brot. Ausgefolgt wird nur bei Vorlage vorliegender Karte. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Bußgeld bis zu 3000 Lei bestraft undsoweiter undsofort.

Ehe, Klassenzweite war sie gewesen, sie las, wie ein munteres Bächlein plätschert! Sie stand und las die Lebensmittelkarte, so daß sie sie heute noch im Kopf hat, auswenndig wie das Vaterunser ...

„Was weißt du schon, was das heißt, mit elf keine Mutter mehr zu haben ... Arm waren wir dran, als Mutti gestorben war ...“, nuschelt sie und mummelt einen Kanten Brot.

Jetzt noch, nach so viele Jahren, hat sie immer noch das Gefühl, ein hilfloses Waisenkind zu sein.

„Darum sollst du deine Mutter lieben ...“

Sie stellt die gespülten Tassen behutsam ins Regal, und da sie mit dem Rücken zum Jungen steht, schneidet sie ein Eckchen Käse ab und steckt es in den Mund. Den Rest deckt sie mit Plastikfolie ab und stellt den Teller hinaus aufs Fensterbrett. Ist ja ein guter Platz da vor dem Fenster, nur ihre Schwägerin muß sich dauernd beklagen:

„Würde der arme Ilie noch leben, hätten wir dies Jahr einen Kühlschrank gekauft.“

„Soll er doch verrecken, der Kühlschrank“, sagt sie, „hinausgeschmissenes Geld! Kochst das Essen jeden Tag mal auf, und du wirst sehn, wie es sich hält ...“

„Drum sollst du deine Mutter lieben und ehren, denn du hast nur noch sie ... Lieben sollst du sie, und ihr sollt achtsam miteinander umgehn“, sagt sie laut.

Damit er es hört und sich hinter die Ohren schreibt, der Junge.

Gelu steht immer noch in der Tür, er verlagert das Gewicht auf das andere Bein und gähnt. Er überlegt, wie er  sie soweit kriegt, daß sie geht, denn wenn er sich aufs Reden einläßt, ist der Tag gelaufen. Dabei ist er schon mit dem Linken aufgestanden und hat nur herumgeschlunzt. Die Bücher, das Reißbrett, alles liegt im Schlafzimmer herum, und nun das ...

Schau dir bloß diesen Jungen an, denkt sie bei sich, breitet die Bügeldecke über den Tisch und steckt das Bügeleisen ein – sie hat im Bad ungebügelte Wäsche gefunden, wenn die Schwägerin kommt, wird sie’s ihr danken. Schau dir bloß diesen Jungen an, der tut immer, als hätt es ihm alles verregnet und verhagelt. Der Ilie, sein Vater, Gott hab ihn selig, der hatte ein anderes Wesen, er war der jüngste unter den Brüdern, als die Mutti starb, konnte er kaum laufen. Aufgezogen hat sie ihn allein, wie eine Mutter war sie ihm, was hat sie sich doch mit dem Vater, dem Alten, gezankt, er solle ihn auf die Schule schicken ...

„Ich hab kein Geld, Menschenskind, wenn nix da ist, was soll ich tun?“ sagte der Alte.

Der zupackende Oltenier war als fahrender Händler aus Cărbuneşti oder wer weiß woher gekommen. Körbe mit Gemüse, Fischen und Hühnern und Essig, auch Kohlen, ganze Lämmer und gehäutete, in Leinwand eingenähte Lämmer oder auch Lammkeulen hingen an seinem Traggestell. Alles und jedes verkaufte der Vater und legte ein Geld zum andern und baute ein Lehmhaus im Pantilimon, und schließlich kriegte er auch noch Mütterchens Mitgift. Damit eröffnete er den Laden. Dort verkaufte er dann Baumwollzeug und Gas und Seifenstücke, es ging ihm gut, er trug deutsche Anzüge, eine dicke goldene Uhrenkette und einen gezwirbelten Schnurrbart. Es war ihm gut gegangen, bis dann im August die ganze Nacht lang die Glocken läuteten zur Mobilmachung. Und als er zurückkam, war alles dahin ... Aber der Vater, ein Oltenier mit vierenzwanzig Backenzähnen, der auch mit achtzig die Haselnüsse nur so aufbiß, der Vater begann wieder von vorn. Jetzt zog er als Händler über die Dörfer. Die Mutter war tot, und der Vater, kaum von der Front zurück, war den lieben langen Tag auf dem Land unterwegs mit seinen Geschäften. Dann hat er die Mîrlanca gefunden, ist zu ihr gezogen und hat auch der einen Satz Kinder gemacht.

„Wenn ihr wollt, kommt mit“, hat der Vater gesagt, als er zur Mîrlanca gezogen ist.

Sie aber sind in dem alten Haus im Pantilimon geblieben, in der Nähe der Kirche Capra, wo die Mutti begraben liegt ...

Sie zieht der Stecker des Bügeleisens kurz aus der Dose, es ist zu heiß geworden. Sie öffnet die Tür zur Speisekammer, nichts als ein paar trockene Kekse, sie nimmt einen, wirft ihn ins Wasserglas, damit er weicht, und mummelt ihn.

„Ich geh, Tante, ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht vor Arbeit ...“

Er geht mit schlurfenden Hausschlappen, läßt sich in einen Sessel sinken und stützt das Kinn in die Handfläche. Er fährt sich mit den Fingern über die Wange: ob er sich heute rasieren soll oder nicht ... Ihm ist schwindlig vom Geschwafel der Alten, ewig ihre alten Geschichten, wenn man denkt, man ist durch, fängt sie von vorne an. Seit einer Zeit scheint sie immer mehr zu reden, und essen tut sie genausoviel.

Aber heute weiß auch er nicht, wohin mit sich. Er blättert in seinen Berechnungen, schreibt irgendwas an den Rand, er gähnt, steht auf und schaut zum Fenster hinaus. Es ist nichts anderes zu sehen als die Straße mit Wohnblocks an der einen Seite und gerade vor seinem Fenster ein Stück Brachland, umgeben von einem Stacheldrahtzaun. Eine baufällige Blechbaracke, ein Unterstand aus der Zeit, als hier noch die Endstation der Straßenbahn war. Durch die dünnen Wände des Blocks hört man ein Radio in voller Lautstärke und streitende Stimmen. Er streift den Hemdsärmel hoch und drückt sich mechanisch mit nur zwei Fingern die Pickel auf dem Arm aus. Es gibt Tage wie heute, an denen er zu nichts zu gebrauchen ist und nur herumhängt. Der bleiche Himmel, der Morast vor dem Block, die Angst vor einem ganzen Leben, das ihn erwartet und dem er hilflos und erbittert gegenübersteht, seine Mutter, die nervt, die Hemmungen vor den Mädchen und der Geldmangel – das alles zwingt ihn, so finster zusammengekauert dazusitzen und einen nach dem andern die Pickel auf dem Handrücken auszudrücken. Wie ist das Leben? Wie er es jetzt sieht, oder wie es ihm scheint, wenn er gut gelaunt ist und dies alles vergißt? Er wirft sich aufs Bett und kneift die Lider zusammen in Erwartung der unerträglichen Erinnerung, die er dann zähneknirschend verjagt, damit sie wiederkommt und sein Blut erhitzt. Der Vorfrühlingsduft der Luft, ihre lebendig zitternde Kälte, die schwarzüberkrusteten Schneehaufen am Rand des Gehsteigs, aus denen kleine Bächlein rinnen. Und er im Vollgefühl seiner Jugend, wie er in dem unverhofften Licht dahinrennt und in seiner Hast die Kreuzung bei Rot überquert aus Angst, zu spät zu kommen.

Das Mädchen hatte schmale, zerbrechliche Schultern, dünne, mit dunklem Flaum bedeckte Arme. Einer der Strümpfe hatte über dem Knie eine Laufmasche und war hastig mit weißem Faden genäht worden. Er hatte es gesehen, während er mit unbeholfenen Händen versuchte, ihren Reißverschluß zu öffnen. Er spürte, wie sie steif und verdrießlich in seinem Arm hing, ohne ihm wie sonst entgegenzukommen, aber die Eile und die Furcht trieben ihn, weiterzumachen. Er stieß immer wieder auf hinderliche Knöpfe und schielte dann und wann nach dem Wecker, der auf dem Tisch neben ihnen tickte. Sie hatten fast die ganze Zeit damit verplempert, sich belanglose Sätze zuzuspielen, und jetzt dauerte es höchstens noch eine Stunde, bis der Kollege, der ihm das Zimmer überlassen hatte, zurück sein würde. Etwas, vielleicht gar der Gedanke an die Laufmasche an ihrem Strumpf, vielleicht ihre Unbeholfenheit, rührte ihn plötzlich, und er suchte seinen fieberhaften Drang zu zähmen, indem er seine Hand über ihre blanke Stirn und das straff in den Nacken gekämmte und mit einem schwarzen Schnürsenkel zusammengehaltene Haar gleiten ließ. Sie aber wandte sich ab und musterte ihn verstohlen, mißtrauisch und böse, er sollte sie nicht auch noch an der Nase herumführen. Verstohlen, so hatte sie ihn auch auf dem ganzen Weg hierher gemustert, während sie ihre feuchten weichen Finger im Vorübergehen die staubigen Zaunlatten und die gelbe Wand entlanggleiten ließ und während sie die Treppen bis zu der Tür heraufstiegen, von der die Farbe abblätterte und vor der er lange und immer ungeduldiger herumtapste, bis es ihm gelang, den Schlüssel in dem geschwärzten Schloß umzudrehn. Das Sofa knarrte unaufhörlich, er hütete sich, mit der Stirn gegen das hölzerne Kopfende zu stoßen, überwältigt wie er war von der Reglosigkeit des steifen Körpers, der ihm nicht antwortete, dennoch machte er weiter, wobei er seine Bewegungen mit leisem Grauen von außen verfolgte. Als sei der Sinn all dessen, was er von jetzt an tat, nur der, es um jeden Preis zu Ende zu führen, als unabänderliche Pflicht. Und sie, die das zweifellos spürte, starrte ins Weiß der Decke – wobei sie deren Unebenheiten in allen Einzelheiten wahrnahm –, die Lippen über den kleinen, spitzen weißen Zähnen geschlossen, dann zwinkerte sie rasch und oft, wobei zwischen ihren Lidern die Augen böse hervorblitzten; ein heimtückischer Blick, der sich an seinem Versagen weidete.   

„Hör auf, dich zu kratzen, schau, wie du ausschaust“, sagte Vica und zeigte mit dem knorrigen krummen Finger auf die blauen Flecken am Arm, den er mit geschlossenen Augen mechanisch nach weiteren Pickeln abtastete.

Sie hatte die Tür mit der Schulter aufgestoßen und war leise hereingehumpelt, einen Teller mit Brot- und Käsescheiben in der Hand.

„Laß mich in Ruhe“, brüllte Gelu wütend. „Laß mich in Ruhe“, wiederholte er leiser.

Er ging ans Fenster, stützte sich auf das Fensterbrett und sah hinaus.

„Entschuldige“, flüsterte er dem Mädchen zu und zog sich an den Rand des Sofas zurück, bis ihm die scharfe Kante des kalten Holzes ins Fleisch schnitt. „Entschuldige“, stammelte er, wobei ihn Widerwillen und Verzweiflung dermaßen überfluteteten, daß er nicht einmal mehr nach der Uhr sah und auch keine Anstalten machte, sich zuzudecken. Da mochte kommen, was wollte. Er durchlebte den ganzen Schrecken dieser Stunden, als hätte er von vornherein gewußt, daß es so kommen würde. So vermochte er jetzt sogar dieses Wort auszusprechen, das letzte, von dem er bis dahin gedacht hätte, daß er es jemals zu jemandem sagen würde. Und spät, sehr spät, spürte er ihren dünnen Arm, wie er sich unter seine hochgezogenen Schultern zu drängen suchte, und das weiche Haar, wie es über seine Wange fächelte.      

„Schau dich an, du bist nur noch Haut und Knochen. Darum überkommt dich auch dauernd der Schlaf, darum hast du keinen Mumm ... Ich habe mein Lebtag auf mich aufgepaßt, und mein Mann auch. Jetzt noch staune ich, wenn er seinen Teller vollschöpft bis obenhin und Brot hineinbrockt, daß ein Brei daraus wird, den er dann so auslöffelt ... Menschenskind, sag ich dann zu ihm, wenn ich das so sehe, Menschenskind, du bist ja wie der alte Mealache, der Suppe und Hauptgang zusammenschüttete, wenn seine Schwiegertochter sie ihm brachte. Wozu soll ich denn mein Maul zweimal aufsperren, sagte der, wenn doch alles zusammenkommt? Und mein Mann sagt dann: Na und, bin ich denn nicht auch ein Alter? Meinst du, ich bin kein Alter? In diesem Sommer werd ich neunensiebzig ...“

„Und ob der alt ist! Wenn der nicht alt ist, wer dann?“ bellt der Junge über die Schulter.

Daß dich der und jener, du Teufelsbraten! ... Als wär’s ihr Mann, bärbeißig, scharfzüngig, wer weiß, wem der noch das Leben zur Hölle macht ... Soll doch der Teufel in deine Eier fahren, ich hätt dich vielleicht durchgewalkt, wenn du meiner gewesen wärst, ich hätt einen Menschen aus dir gemacht ... Für sein Alter könnte man ja erwarten, daß er auch einen Funken Verstand hat und nachdenkt, wenn er was sagt. Seine Mutter ist schuld, seine Mutter hat zugelassen, daß ihm Hörner wachsen, und jetzt jammert erst recht sie:

„Ich weiß nicht, was ich mit dem Gelu machen soll“, jammert sie. „Ich weiß nicht, wie ich noch ver-fah-ren soll, er schließt sich den ganzen Tag in seinem Zimmer ein, mit mir will er nicht reden, nie, und wenn ich irgendwas sag, regt er sich auf und fährt mich an. Als sein armer Vater noch lebte, da war es irgendwie anders, auch die Atmosphäre im Haus war irgendwie eine andere, du weißt doch, was der Ilie für ein fröhliches und offenes Wesen hatte“, jammerte die Schwägerin.

„Was sollst du denn machen, nichts kannst du da machen, laß ihm seine Macken“, erwiderte sie.

In Gedanken aber: Du wunderst dich noch, daß er mürrisch ist und stumm, dabei  ähnelt er dir, wie warst denn du? Wie warst denn du zu mir und zu allen andern, die ins Haus kamen?

Der müßte sie das alles einmal ins Gesicht sagen, aber sie will sich nicht mit ihr anlegen. Großes Glück hat ihre Schwägerin gehabt mit dem armen Ilie, Gott hab ihn selig. War eine gutmütige Natur, der arme Ilie, und ein Leben lang hat sie mit ihm gemacht, was sie wollte, nie hat ihre Schwägerin Freude gezeigt, wenn sie ihr aufgemacht hat, nie hat sie ihr einen guten Blick gegönnt, um die fünfenzwanzig Lei wird es ihr leid getan haben, die ihr der Ilie insgeheim zusteckte ...

„Da, Vica, etwas für die Straßenbahn, wenn du uns nochmal besuchst“, sagte er ihr an der Tür.

Jetzt aber hat sich auch die Schwägerin geändert, seit sie allein geblieben ist auf der Welt.

„Komm doch, Vica, damit wir noch reden miteinander“, sagt sie zu ihr, „mir brummt der Schädel vor lauter Schweigen im Haus ...“

Sie kommt, ja, sie kommt noch, so wie heute, sie legt noch mit Hand an, flickt, bügelt das eine und andere, aber viel Kraft hat sie auch nicht mehr; man soll nur nicht auf Hilfe angewiesen sein, weder von den Verwandten noch von sonstjemand, sonst fressen einen die Hunde, so sagte die Madam Ioaniu. War eine erfahrene Frau, die Madam Ioaniu, erfahren und raffiniert, zwei Männer hat sie sich gehalten, und beide hat sie ins Grab gebracht.

„Nur alt soll man nicht sein, Vica, nur alt soll man nicht sein und an andere Türen klopfen müssen ...“

Wie oft sie diese Worte gesagt hat!

 

 

2

 

„Nimm du das, ich hab keinen Hunger, ich hab meine Papiere auf dem Tisch ausgebreitet, und das steht mir nur im Weg ...“

Gelu hat den Teller mit Brot und Käse gebracht. Er lehnt unschlüssig im Türrahmen, weder kommt er noch geht er.

„Nimm und iß, heute gibt’s sowieso nicht viel zu essen, die Mutter kriegt erst morgen Gehalt ...“

„Ach was, essen, mir ist nicht nach Essen.“

Sie nimmt den Teller, stellt ihn auf eine Ecke der Anrichte und macht sich am Gasherd zu schaffen, schraubt die Hähne ab und legt sie ins Spülbecken, um sie zu waschen. Würde sie sich umdrehen, dann sähe der Junge ihr zahnloses Lachen; gerade hat sie ihr Gebiß herausgenommen, weil es drückt und sie es nicht lange tragen kann. Soll doch der Teufel in deine Eier fahren, lacht sie. Schau an, auch ihm tut es leid, daß er sie so angefahren hat, beinah hätt er sie gebissen, dabei hat sie doch gar keine Schuld. Sie hat ihm nur was Eßbares gebracht ... Ein böses Gemüt hat er ja nicht, aber er ist verwöhnt, seine Mutter ist schuld, die hat ihm von Kind auf Hörner wachsen lassen ... Gelu rauf und runter, Gelu hin und her ... Schön war er ja schon, dick und schön, ein Lockenkopf, Kringel an Kringel. Als er klein war, da hat sie ihn gebadet und seine Gelenke eingeölt, da hat sie gespuckt, um ihn vor dem bösen Blick zu schützen, hat seine Hinterbacken geküßt und ihn in den Laden mitgenommen. Unter der Theke, da hatte er sein Plätzchen. Er lag auf dem Bauch und beobachtete die Waage. Und damals nach der Währungsreform hat ihr Mann ihm einen ganzen Sack voll Geld zum Spielen gegeben ...

„Iß schon, worauf wartest du noch“, bellt er.

Jetzt hat’s ihn wieder, nur er weiß, was. Er ist raus und hinüber auf sein Zimmer gegangen.

Manchmal, da packt es ihn einfach ... Sie streckt die Hand aus, nimmt ein Stückchen Brot, etwas Käse, steckt sie in den Mund. Es lohnt sich nicht, die Zähne einzusetzen, die drücken nur. Fünfhundert Lei hat sie dem gegeben, der sie gemacht hat, und der hat erst recht gepfuscht, verdammter Mist ... Er hat kein böses Gemüt, der Gelu, aber das kommt so über ihn, dann rastet er aus; ist halt ein ausgewachsener Mann, der braucht jetzt schon mal eine Frau ...

Wieder streckt sie die Hand aus, drückt die Käsekrümel mit den Fingern zusammen und schiebt sie in den Mund. Wie der sie angefahren hatte, fast hätte er sie gebissen, vor etwas mehr als einem Jahr, als sein armer Vater, der arme Ilie, dran hatte glauben müssen. Der arme Ilie lag tot auf dem Tisch und die Leute kamen und gingen, Arbeitskollegen, Leute aus dem Block, Nachbarn von dort, wo sie früher gewohnt hatten, jeder mit einer Blume, einer Kerze, wie es sich gehört ... Was hat sie damals gelitten, sie wußte nicht mehr aus und ein. Immerhin ist sie frühmorgens mit fünf Kilo Fleisch angerückt, schönes schieres Fleisch, sie hatte von der Nachbarin Reli Geld geliehen und sich um fünf Uhr angestellt, aber was in ihrem Herzen war, das wußte nur sie allein ... Anstehn um Fleisch fürs Totenmahl ... Kühlschrank hatten sie keinen, er hatte es nicht mehr dazu gekschafft, einen Kühlschrank zu kaufen, der arme Ilie, und wem stand da überhaupt noch der Sinn nach Fleisch? Ihre Schwägerin wurde von zwei Weibern gestützt und wehklagte, konnte sie es doch immer noch nicht fassen, daß das Böse dieser Welt auch an sie herangekommen war ... Wem war da noch nach Fleisch? Da ging sie eben selbst und briet das Fleisch in der Pfanne, schließlich konnte sie es nicht verderben lassen, das gute Stück ... Sie wendete es mit einer Gabel in der Pfanne, mag sein, daß sie auch einen Bissen gekostet hat, um zu sehen, ob es gar ist oder nicht, dabei fuhr sie sich mit der Hand übers Gesicht. Heiß war’s in der Küche und ihr standen, daran erinnert sie sich, Schweißperlen auf der Stirn und Tränen in den Augen. Und plötzlich stürzt der da herein wie ein Wahnsinniger ... Wie ein Wahnsinniger ist er hereingestürzt, der Gelu, dieser Junge:

„Ist das jetzt deine größte Sorge?“ hat er geschrien.

Und mit einem Mal hat er alle Hähne am Gasherd abgedreht.

„Das ist deine größte Sorge? Hättst wenigstens dran denken können, daß all die Leue kommen und dich sehen, wie du hier stehst und Fleisch brätst ...“

Sie hat ihn gewähren lassen, hat ihn die Hähne abdrehn lassen. Das Fleisch, hatte sie gesehn, das war schon angebraten ... Sie hat ihm seinen Willen gelassen, nur dies hat sie zu ihm gesagt:

„Wieso platzt du hier herein wie ein Wahnsinniger? Wieso drehst du den Gasherd ab, du Narr? Und die Leute, was hast du denn mit denen, was ist, wenn die hereinkommen und sehen? Soll denn das gute Fleisch verderben, um das ich seit fünf Uhr angestanden

 

About this issue

This July, The Observer Translation Project leaves its usual format to present a special CRISIS ISSUE. Things are tough all over. Hard Times suddenly feels like the book of the moment. The global economic crisis impacts life as we know it, and viewed from Bucharest the effects reverberate in domains that include geo-politics and publishing in Romania and abroad, with the crisis at The Observer Translation Project as an instance of a universal phenomenon. read more...

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Author: Vasile Ernu
Translated by: Monika Oslaj

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